
Der heute 72-Jährige spielte beim VC Oftringen Radball, war Trainer und Funktionär – und nun setzt er die Radball-velos des Clubs instand.
Eigentlich steht Herbert Zaugg nicht gerne im Mittelpunkt. Wenn es darum geht, Leistungen hervorzuheben, verweist er lieber auf andere. Dabei hat er es sehr wohl verdient, einmal näher vorgestellt zu werden. Denn er ist, auch wenn er das vielleicht nicht gerne liest, auch ein bisschen der «Mister VC Oftringen». Doch der Reihe nach.
Herbert Zaugg, heute 72, besucht die Oberstufe im Schulhaus Sonnmatt, als er den Radballsport kennenlernt. Fritz Nöthiger, ein Klassenkamerad, macht ihm ein Schnuppertraining schmackhaft. Daraus wird mehr: eine Leidenschaft, die ihn durchs Leben begleitet. «Offenbar war ich nicht der Untalentierteste», bemerkt er mit einem Schmunzeln, «es hat mich sofort gepackt.»
Mit Nöthiger in der NLA
Zaugg und Nöthiger bilden ein Duo, zuerst bei den Junioren, danach bei den Aktiven. 1980 gelingt mit dem Gewinn der Schweizer Meisterschaft in der Nationalliga B ein erster Coup, mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse feiern die beiden einen weiteren Grosserfolg. Meisterehren bleiben zwar aus, der VCO bewegt sich meistens im Mittelfeld der Tabelle. Aber Zaugg zählt – wie Nöthiger – während Jahren zu national bewährten Radballkräften. Während Nöthiger vor allem das Tor hütet, ist Zaugg als Feldspieler aktiv.
Als die Karriere zu Ende geht, bleibt er seinem Sport verbunden – als Trainer und Funktionär. Er wird J&S-Coach, betreut die Oftringer Radballer, vermittelt ihnen Wissen und Tipps, sitzt im OK, als in der Oberfeld-Turnhalle der traditionelle GP Oftringen vor grossem Publikum ausgetragen wird. Was immer er tut: Geld gibt es dafür natürlich nicht.
«Der VCO war für mich und ganz viele andere stets eine Herzensangelegenheit», sagt Herbert Zaugg.
Regelmässig im Sonnmatt-Schulhaus
Das Velo ist in seinem heutigen Alltag immer noch zentral. Zum einen unternimmt er mit seinem E-Bike regelmässig ausgedehnte Ausflüge. Zum anderen kümmert er sich im Keller des Sonnmatt-Schulhauses um die Radballvelos des VC Oftringen. Der ehemalige Abteilungsleiter, der oft am Schreibtisch sass, hat durchaus eine handwerkliche Ader und zeigt Geschick als Velomechaniker. Regelmässig steht er an zwei Abenden pro Woche im Einsatz.
Seit rund drei Jahrzehnten spielt er zwar selbst nicht mehr Radball, verfolgt aber die Szene aufmerksam und coacht ausserdem ein Duo: Sein Sohn Andreas vertritt zusammen mit Rafael Stadelmann den VCO in der Nationalliga A. Darauf ist Herbert Zaugg stolz – und darauf, dass Andreas im Nachwuchsbereich mit jenem Eifer dabei ist, den ihm sein Vater vorgelebt hat.
Was fasziniert den Pensionär heute noch am Sport, den er vor 58 Jahren entdeckt hat? «Mir kommt das Ganze vor wie eine grosse Familie», erklärt er, «jeder kennt jeden, und im Radball dominiert der Kommerz nicht wie in anderen Bereichen. Und das Spiel ist einfach toll. Technik, Kraft, Kondition, Durchhaltevermögen – es braucht einiges, um auf ein hohes Niveau zu gelangen.»
Ausflug mit Beeinträchtigten
Herbert Zaugg ist nicht nur für den Veloclub tätig, sondern auch als Organisator eines speziellen Events. Vor 58 Jahren rief der VCO den jährlichen Ausflug für Menschen mit einer Beeinträchtigung ins Leben. Nun organisiert Zaugg einmal pro Jahr zusammen mit Hans Stadelmann den Anlass, an dem jeweils 40 bis 50 Personen teilnehmen. «Wir versuchen, den Teilnehmenden ein schönes Programm mit einem feinen Mittagessen und Musik zu bieten», sagt er,
«die Dankbarkeit, die wir von den Leuten erhalten, ist jedes Mal riesig.» Und darum macht er vorläufig weiter. Auch wenn ihn Rückenschmerzen plagen. Aber ein richtiger Radballer hält einiges aus.
© Adrian Gaberthuel, Adi AG
